„Zoom kann doch übersetzen, oder?“ Diese Frage bekomme ich oft. Und die ehrliche Antwort lautet: ja, aber. Die Marketingseite verspricht „35+ Sprachen“, die Preisseite verrät dir keine Zahl, bevor du mit dem Vertrieb gesprochen hast, und irgendwo dazwischen sitzt die Funktion, die du eigentlich brauchst.
Also habe ich mich durch Zooms eigene Dokumentation gearbeitet. Kurzfassung: Untertitel in der gesprochenen Sprache sind gratis und ziemlich gut. Die Übersetzung kostet 5 US-Dollar pro Person und Monat – oder steckt in Tarifen, für die Zoom keine Preise veröffentlicht. Und die neue Sprachübersetzung kann noch kein Deutsch.
Alles unten verlinkt auf Zooms eigene Dokumentation. Die Preise sind US-Listenpreise und zum Zeitpunkt des Schreibens aktuell.
Was ohne Aufpreis drin ist
Automatische Untertitel. Zoom untertitelt das Meeting in der Sprache, die gerade gesprochen wird. Das Spannende daran: Die Dokumentation zum Aktivieren nennt gar keine Tarifstufe. Es ist eine Konto-Einstellung, keine Lizenz. Abgedeckt sind über 50 gesprochene Sprachen und regionale Varianten.
Ein Haken bleibt. Dieselbe Seite schreibt, manche Konten hätten die automatischen Untertitel nicht, und verweist dich in dem Fall an deinen Account Executive. Schau also lieber selbst im Portal nach, statt es vorauszusetzen. Welche Konten das betrifft, sagt die Doku nämlich nicht.
Transkripte von Cloud-Aufnahmen. Wenn du in die Cloud aufnimmst, bekommst du im Nachhinein ein Texttranskript (hier die Doku). Andere Funktion. Die Live-Untertitel selbst werden nirgends gespeichert.
Manuelle Untertitel. Du kannst auch jemanden zum Mittippen bestimmen oder über einen Drittanbieter professionelle Schriftdolmetschung anbinden (Doku). Das ist immer noch der Weg, den die meisten gehen, wenn Untertitel rechtlich halten müssen. Und daran wird sich so schnell nichts ändern.
Zoom Untertitel aktivieren (Schritt für Schritt)
Zuerst eine Admin-Einstellung, dann ein Knopf im Meeting.
Als Admin: Zoom-Webportal → Kontoverwaltung → Kontoeinstellungen → Meeting, dann unter In Meeting (Erweitert) die Automatischen Untertitel einschalten. Denselben Schalter gibt es pro Gruppe (Benutzerverwaltung → Gruppen) und pro Person (Einstellungen → Meeting). Über das kleine Stift-Symbol daneben wählst du die angebotenen Sprachen aus, und du kannst das Starten auf Host und Co-Host beschränken.
Als teilnehmende Person: einfach aufs Untertitel-Symbol in der Leiste klicken. Sobald der Host die Funktion freigeschaltet hat, kann sie jede und jeder für sich selbst einschalten. Genau richtig so – niemand sollte darum bitten müssen.
Geschafft? Sehr gut. Für die Übersetzung fehlen jetzt noch zwei Dinge.
Was kostet die Zoom-Übersetzung?
Übersetzte Untertitel nehmen das Gesagte in einer Sprache und zeigen es in einer anderen an. Die Dokumentation nennt zwei Voraussetzungen.
Die technische ist schnell erledigt: Die automatischen Untertitel müssen schon laufen. Die Übersetzung setzt auf demselben Strom auf.
Die kommerzielle ist die eigentliche Antwort auf „was kostet das“. Du brauchst eines davon:
- Zoom Workplace Business Plus
- Zoom Workplace Enterprise Essentials
- Zoom Workplace Enterprise Plus
- Zoom Workplace Enterprise Premier
- oder das Add-on Zoom Translated Captions
Nur für das Add-on nennt Zoom einen Preis. Im eigenen Ankündigungsbeitrag sind es 5 US-Dollar pro Person und Monat. Derselbe Beitrag hält noch etwas Nützliches fest: Zum Kauf brauchst du ein kostenpflichtiges Konto, danach kann aber jeder Lizenztyp darin die Funktion nutzen – auch Basic.
Für Business Plus und die Enterprise-Stufen veröffentlicht Zoom keine Listenpreise. Die Preisseite lädt die Zahlen erst im Browser nach, die Tarifseiten haben leere Preisfelder. Vermutlich Absicht. Die Zahlen, die in Vergleichsartikeln kursieren, sind Vertragspreise anderer Kunden. Die schreibe ich hier lieber nicht ab.
Was kostet es also? Für 50 Personen mit dem Add-on: 50 × 5 USD = 250 USD im Monat, 3.000 USD im Jahr. Wenn nur das Dutzend Leute es braucht, das tatsächlich externe Veranstaltungen hostet, sind es 60 USD im Monat oder 720 USD im Jahr. Lizenziert wird pro Person – die Frage lautet also: Wer muss ein übersetztes Meeting hosten? Nicht: Wer sitzt drin?
Nach dem Kauf aktiviert ein Admin die Übersetzten Untertitel im selben Bereich In Meeting (Erweitert) und legt die Sprachpaare fest. Teilnehmende öffnen dann das Untertitel-Menü, klicken auf den Pfeil und wählen ihre Sprache. Zoom merkt sich das fürs nächste Mal.
Übersetzt Zoom gesprochene Sprache auf Deutsch?
2026 hat Zoom übersetztes Audio nachgelegt. Die Ankündigung beschreibt einen Voice Translator, der das Meeting-Audio durch Spracherkennung, maschinelle Übersetzung und Sprachsynthese schickt und dann eine übersetzte Tonspur abspielt – neben oder statt dem Original.
Die Details sind wichtiger als die Überschrift:
- Fünf Sprachen zum Start – Englisch, Chinesisch, Spanisch, Französisch, Japanisch. Portugiesisch, Arabisch, Deutsch und Italienisch sind für später im Jahr 2026 angekündigt.
- Nur Desktop. Zoom für Windows und macOS ab 7.0.0. Kein Mobilgerät.
- Kein fester Preis pro Platz. Enthalten in ZoomMate oder als eigenes Live-Translation-Add-on, und abgerechnet über Guthaben wie Zooms andere KI-Funktionen. Verbrauchspreise lassen sich deutlich schlechter budgetieren als ein Platz für 5 USD.
- Nicht überall verfügbar. Zoom schreibt ausdrücklich, die Funktion sei möglicherweise nicht in allen Regionen und nicht für alle Branchen verfügbar.
Und jetzt der Punkt, der für uns hier zählt: Wenn dein Publikum Deutsch spricht, erreicht die Sprachübersetzung es derzeit nicht. Koreanisch, Arabisch und Hindi übrigens auch nicht. Die übersetzten Untertitel schon. Für Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum entscheidet das die Sache.
Zoom Simultanübersetzung: die Dolmetscher-Funktion
Es gibt neben der Maschine noch den klassischen Weg, und den übersehen viele: Zoom kann echte Simultanübersetzung mit Menschen.
Bei der Sprachdolmetschung bestimmt der Host bis zu 20 Teilnehmende als Dolmetschende, jede Person auf einem eigenen Audiokanal. Zuhörende wählen im Meeting ihren Kanal und können das Originalaudio stummschalten oder leiser mitlaufen lassen. Nötig ist ein Pro-, Business-, Education- oder Enterprise-Konto.
Die Dolmetschenden stellt Zoom nicht. Die beauftragst du selbst. Neun Sprachen sind voreingestellt (Englisch, Chinesisch, Japanisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Portugiesisch, Spanisch, Koreanisch), eigene lassen sich ergänzen – allerdings nur fünf pro Sitzung, für bis zu 25 musst du den Zoom-Support kontaktieren.
Ein paar sperrige Einschränkungen nennt die Dokumentation zur Nutzung im Meeting: Es braucht eine automatisch erzeugte Meeting-ID statt deiner persönlichen, für Sofortmeetings geht es nicht, aus der mobilen App lässt es sich weder starten noch verwalten, und in Breakout-Räumen funktioniert es nicht.
Für eine Veranstaltung mit echtem Anspruch an Genauigkeit ist das nach wie vor der bessere Weg. Die Maschine ist billiger, nicht besser.
Zoom Webinar-Untertitel
Die übersetzten Untertitel bleiben nicht auf Meetings beschränkt. Laut Zooms Ankündigung funktionieren sie in Zoom Meetings, Webinaren, Zoom Events und im Team Chat. Die Lizenz ist dieselbe – du musst also für Webinare nichts extra einplanen.
Auch die Sprachdolmetschung deckt Webinare ab, mit einer Eigenheit: Wen du als dolmetschende Person einträgst, wird automatisch zum Panelisten.
Wo wirklich Schluss ist
Die Sprachmatrix ist nicht symmetrisch. „35+ Sprachen“ klingt nach allem, bis du ins Detail schaust: Griechisch, Norwegisch und Walisisch können Übersetzungen nur empfangen, nie Ausgangssprache sein. Und Dialektpaare fallen raus – Französisch (Frankreich) nach Französisch (Kanada) übersetzt Zoom nicht.
Admins entscheiden, Teilnehmende leben damit. Die Sprachpaare werden zentral festgelegt und lassen sich sperren. Eine teilnehmende Person kann keine Sprache ergänzen, die nicht freigegeben ist. Kein Problem – bis jemand Unerwartetes dazukommt.
Jede Funktion kann etwas anderes. Zooms Übersicht der Sprachen für KI-Funktionen nennt 32 Sprachen für Meeting-Zusammenfassungen, während die Smart-Recording-Highlights nur Englisch können. „Zoom unterstützt 35 Sprachen“ stimmt für eine Funktion, nicht für Zoom.
Manche Branchen sind ausgenommen. Die Doku erwähnt Einschränkungen für regulierte Bereiche wie Gesundheitswesen und Hochschulbildung, ohne genauer zu werden.
Untertitel hinterlassen nichts. Sie verschwinden mit dem Meeting. Wenn du hinterher etwas brauchst, landest du bei Cloud-Aufnahme plus Transkription – mit allen Fragen zu Speicherung, Aufbewahrung und Datenstandort, die dazugehören.
Und maschinelle Übersetzung ist kein Dolmetschen. Durcheinanderreden, starke Akzente, ein schlechtes Mikrofon, Produktnamen, Fachjargon: alles davon drückt die Qualität. Maschinelle Übersetzung auf maschinelle Transkription gestapelt multipliziert zwei Fehlerraten. Eine Person mit gutem Headset in einem ruhigen Raum – wirklich gut inzwischen. Eine Podiumsdiskussion, in der sich vier Leute ins Wort fallen – nicht. Kein Anbieter behauptet etwas anderes, und keiner verkauft das als Ersatz für zertifizierte Dolmetschung, wenn Genauigkeit rechtlich zählt.
Würde ich mich darauf verlassen?
Kommt darauf an, was du vorhast. Vier Fragen klären das schnell:
- Welche Sprachen, in welche Richtung? Prüfe beide Enden gegen Zooms Liste, nicht die Schlagzahl.
- Wer braucht die Lizenz? Bei übersetzten Untertiteln das Konto des Hosts.
- Braucht jemand den Text hinterher? Dann ist das die falsche Funktion.
- Geht es um eine Pflicht oder um Komfort? Sobald eine Behörde oder eine Beschaffungs-Checkliste im Spiel ist, überlebt „wir haben den KI-Untertitel-Schalter umgelegt“ die Nachfrage selten.
Bei der letzten Frage schauen die meisten Organisationen über den Meeting-Client hinaus. Nach dem European Accessibility Act und seiner österreichischen Umsetzung im Barrierefreiheitsgesetz musst du beschreiben und belegen können, was du anbietest – nicht bloß aktivieren. Unsere Erklärung zur Barrierefreiheit zeigt, wie wir das halten. Und der Bereich Anwendungsfälle zeigt, wie Live-Untertitelung und Übersetzung aussehen, wenn die Veranstaltung barrierefrei werden soll und nicht die Videokonferenz.